Sehenswürdigkeiten in Zierenberg

 

Die Stadt Zierenberg

Zierenberg ist mit seinen vielen restaurierten Fachwerkhäusern innerhalb der alten Stadtmauer einen Ausflug wert. Die schon von weitem sichtbare gotische Evangelische Stadtkirche mit ihrem 45 m hohen wuchtigen Turm liegt in der Mitte der Stadt und ist auch deren Wahrzeichen. Die Innenwände der Kirche sind mit Bildern in Kalksecco-Technik ausgemalt (Chorraum: um 1350 / Kirchenschiff 1476 - 1488). Diese Wandmalereien stellen inhaltlich bedeutsame Bilderzyklen des späten Mittelalters dar. Sie finden in den letzten Jahren ein großes Interesse, das weit über Nordhessen hinausgeht. Gleich daneben befindet sich das Rathaus. 1450 erbaut, ist es das älteste noch erhaltene gotische Fachwerkrathaus Hessens. Es bietet heute einen würdigen Rahmen für kleinere Ausstellungen und Präsentationen. Im Gebäude befindet sich ein Restaurant sowie Teile der Stadtverwaltung. Wem der Sinn nach noch mehr Geschichte steht, kann auf beinahe jeder Bergkuppe im Umkreis viele Spuren von ehemaligen Burgen studieren.

 


 

Der Bärenbergturm (Aussichtsplattform)

Vom Aussichtsturm Bärenberg überblickt man die gesamte Kernstadt. Im Hintergrund sieht man über Calden hinweg auf den Reinhardswald.

 


 

Der Schreckenbergturm

Einst Warteturm hoch über der Stadt, wurde 1911 vom Zierenberger Gebirgs- und Heimatverein wieder aufgebaut und als Aussichtsturm besteigbar gemacht. Aus 388 m über NN hat man einen einzigartigen Blick über Zierenberg und die umliegende Landschaft.

 


 

Schloss Escheberg

Das Schloss Escheberg wurde 1530 als Fachwerkbau errichtet. Durch den Umbau im Jahre 1800 erhielt es seinen Charakter eines Biedermeiergebäudes. Im 19. Jahrhundert trafen sich hier als Gäste des damaligen Besitzers Ernst Otto und Karl von der Malsburg einige romanische Dichter und Künstler.

 


 

Mühle Laar und Schloss Laar

Das Herrenhaus mit Parkanlage und Teich wurde 1790 erbaut und liegt nur einige Kilometer von Zierenberg entfernt. Zu den Ortsteilen Escheberg und Hohenborn ist es von hier aus nur ein "Katzensprung". Bei einem Besuch von Schloss Laar ist eine Besichtigung der "alten Mühle" zu Laar unbedingt zu empfehlen. Die mit viel Liebe restaurierte Mühle wird heute zur Stromversorgung genutzt.

 


 

Der Dörnberg

Der Dörnberg ist eines der bedeutendsten Magerrasengebiete Hessens. Geschätzt wird er von vielen Naturfreunden wegen seiner einzigartigen Landschaft mit ihrer Flora und Fauna.

 

Was ist ein Naturschutzgebiet?

Naturschutzgebiete schützen die letzten wertvollen und artenreichen Lebensgemeinschaften. Negative Einflüsse, z.B. Pestizideintrag, sollen dort verhindert werden. Für jedes Naturschutzgebiet gibt es eine eigens auf das Gebiet zugeschnittene Schutzgebietsverordnung. Darin sind die Schutzziele und die sich daraus ergebenden Ver- und Gebote festgelegt.

 


 

Das Naturschutzgebiet Dörnberg

Aufgrund der besonders schützenswerten Biotope wurde ein Teil des Gebiets bereits 1978 mit einer Größe von 110 ha zum Naturschutzgebiet ausgewiesen. Eine Erweiterung ist in Planung.

Im Naturschutzgebiet Dörnberg ist es streng verboten, Pflanzen zu beschädigen oder mitzunehmen. Außerdem müssen Hunde stets angeleint sein, denn sie stellen eine Gefährdung für Tiere dar, die eine große Fluchtdistanz haben. Aus diesem Grund ist auch Radfahren, Reiten, Zelten und Lärmen im Gebiet untersagt.

Helfen Sie mit, diesen einzigartigen Lebensraum zu erhalten!

 

Bewaldete Berge umgeben das Tal der Warme, in dem Zierenberg liegt. Beim Blick nach Westen fallen der Bärenberg und die Gudenberge auf. Vom Aussichtsturm des Bärenbergs (599 m) können Sie einen Ausblick auf das Wolfhager Land genießen.

Nordwestlich befindet sich der große Schreckenberg, von dessen Wartturm aus Sie auch Richtung Ehrsten blicken können. Im Zierenberger Grund stechen zwei kleine Kuppen, die Warte und der Galgenköppel, ins Auge, die die landwirtschaftliche Flur unterteilen.

 

Doch nun zurück zum Dörnberg!!!

In südöstlicher Richtung finden Sie die kahlen Basaltfelsen des Kessels (485 m). Unzählige säulenförmige Wacholderbüsche prägen den Dörnberg und geben ihm ein beinahe südländisches Flair. Fast fühlt man sich ins vorindustrielle Zeitalter zurückversetzt. Und tatsächlich führt uns die Suche nach der Ursache für dieses Landschaftsbild zurück ins Mittelalter. Warum ist ausgerechnet der Dörnberg im Gegensatz zu den übrigen Bergkuppen nicht vollständig bewaldet?

Den Grund dazu müssen wir in der landwirtschaftlichen Nutzung des Dörnbergs suchen.

 

Entstehung des Landschaftsbildes

Seit Beginn des 10. Jahrhunderts wurden höchstwahrscheinlich das Plateau und die Westhänge des Dörnbergs bis ins Heilerbachtal ackerbaulich genutzt. Zudem diente der Dörnberg als Hutefläche für das Zierenberger Vieh. Die Zierenberger durften ihr Vieh zunächst unentgeltlich auf dem Dörnberg weiden lassen. Ab 1888 war je nach Vieh sogenanntes Hutegeld an die Stadt zu entrichten, die beeidete Hirten für den Dörnberg anstellte. Eine Graslandschaft entstand, die so intensiv beweidet wurde, dass sich kein junger Baum- und Strauchwuchs entwickeln konnte. Außerdem wurde der Wald weiter zurückgedrängt, der hier aufgrund von geologischen und geomorphologischen Gegebenheiten schlechte Wuchsbedingungen hatte.

 

Von Gänsen, Schweinen und anderem Vieh

Gänse und Schweine wurden bis zum 1. Weltkrieg auf den Dörnberg getrieben. Dabei war der Dörnberg auch noch in einem anderen Zusammenhang für die Schweinehalter von Bedeutung: Das Räuchern des Schinkens erfolgte nämlich mit Wacholder. Pro Schwein wurden noch in den 50er Jahren vier bis sechs Büsche geschlagen. Dies könnte auch die extreme Kahlheit des Dörnbergs in den 20er Jahren erklären. Mit zunehmendem Wohlstand seit den 50er Jahren wurde der Wacholder unbedeutender für eine Nutzung.

Mit etwa 200 Ziegen befand sich Anfang des Jahrhunderts die größte Ziegenherde des westlichen Deutschlands auf dem Dörnberg. Doch bereits 1910 wurden Teile der Ziegenhute mit Fichten und Kiefern aufgeforstet. Ende der 50er Jahre verabschiedete man sich endgültig von der Ziegenhaltung, denn nach der landläufigen Auffassung galt die Ziege als "Arme-Leute-Symbol". Bis dahin hielten die Ziegen als sehr gute Kletterer vor allem die steilen Lagen der Halbtrockenrasen von Verbuschung frei.

Auch für Schafe war der Dörnberg ein beliebter Weideplatz. Um 1920 konnte man noch drei bis vier Herden mit etwa je 300 Tieren erblicken. Als in den 60er Jahren der erste Rinderzaun aufgestellt wurde, wurden Schafe auf die mageren Huten der Muschelkalkhänge zurückgedrängt. Manche Flächen fielen sogar ganz brach. Gehölze wanderten ein und ließen den Gras- und Krautaufwuchs kaum mehr aufkommen.

Dieser Prozess wurde gestärkt durch die einhergehende landwirtschaftliche Intensivierung z.B. durch Mineraldüngemittel, aufgrund derer man auf die Nutzung von relativ unfruchtbaren Flächen wie den Dörnberg verzichten konnte.

 

Erhaltung des Landschaftsbildes heute

Das heutige Erscheinungsbild des Dörnbergs mit seiner typischen Vegetation ist nur durch maschinelle Pflege mit anschließender Beweidung zu gewährleisten. Regelmäßig wird der beinahe explosionsartigen Vermehrung der Gebüsche, insbesondere der Schlehe, durch Entbuschungsmaßnahmen Einhalt geboten.

Heute beweidet eine Schafherde mit etwa 500 Mutterschafen und eine Ziegenherde geeignete Flächen am Dörnberg. Die Besitzer der Herden lassen die Magerrasen nach einem Pflegevertrag beweiden und leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaft. Trotz ihrer wichtigen Funktion in der Landschaftspflege ist der Existenzkampf der heutigen Schäfer hart. Billiges Schaffleisch aus Neuseeland stellen ihre Konkurrenz dar.

 

Freizeitliche Nutzung

Bereits vor hundert Jahren stellte der Dörnberg ein beliebtes Ausflugsziel dar, aber erst als man nach Ende des ersten Weltkriegs den Dörnberg als ideales Segelfluggelände entdeckte, wuchs seine Popularität sprunghaft. Oskar Ursinus, Vater des Segelfluges in der Rhön, gründete 1923 den Segelflugplatz, von dessen Hängen aus 1926 ein Weltrekord im Streckenflug aufgestellt wurde.

Auch heute noch ist der Dörnberg ein attraktives Segelfluggelände, aber auch unzählige Wanderer nutzen den Dörnberg als Erholungsgebiet.

 

Der Begriff "Kalk-mager-rasen"

Kalkmagerrasen wachsen auf Böden, die besonders kalkreich sind. Ausgangsgestein für die Bildung solcher Böden ist am Dörnberg der Untere Muschelkalk, auch Wellenkalk genannt.

Dieses Material ist nährstoffarm und außerdem leicht wasserdurchlässig, weshalb der Aufwuchs nur "mager" ist und sich die wirtschaftliche Nutzung folglich kaum noch lohnt. Trotzdem können sich auf dem vielfach nur lückigen Rasen viele Pflanzenarten einstellen. Diese Arten sind ideal auf Trockenheit und Nährstoffmangel eingestellt. Pflanzen unserer Fettwiesen, die sich bei Düngung einstellen, haben auf den mageren Flächen des Dörnbergs keine Chance. Die unterschiedliche Vegetation in Abhängigkeit von den Bodenverhältnissen und der Beweidung mit Rinder, Schafen und Ziegen kann man an vielen Stellen sehr schön beobachten.

Aufgrund der zunehmenden intensiven landschaftlichen Nutzung von Grünland ist der Lebensraum Kalkmagerrasen selten geworden und mit ihm die typischen Pflanzen und Tiere. Sie füllen heute die sogenannte "Rote Liste".

 

Anpassungen der Pflanzen an den Extremlebensraum

Die Pflanzen der Kalkmagerrasen müssen extremen Klimaverhältnissen standhalten. Denn sie sind extrem hohen Luft- und Bodentemperaturschwankungen ausgesetzt, weil sie oft an Südhängen wachsen.

Die Pflanzen haben sich an diesen Lebensraum optimal angepasst: Z.B. durch 

- niedrigen Wuchs und kleine schmale Blätter

  (Thymian oder Frühlingsfingerkraut)

- dichte Behaarung

  (Gemeines Katzenpfötchen)

- verschließbare Spaltöffnungen auf der Blattunterseite

  (Sonnenröschen) oder

- starke Fiederung der Blätter

  (Kleiner Wiesenknopf).

Diese Wuchsformen schützen die Arten vor einer starken Austrocknung.

Die Arten der Magerrasen, die auch Halbtrockenrasen genannt werden, haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in wärmeren und trockenen südlichen Gebieten. Im hessischen Bergland und im niedersächsischen Hügelland erreichen sie teilweise ihre nordwestliche Verbreitungsgrenze.

 

Magerrasen - kulturbedürftiger Lebensraum

Die Magerrasen des Dörnbergs waren ursprünglich zum Teil mit Wald bedeckt. Doch seit dem Mittelalter trieben die Zierenberger Bürger ihr Vieh auf den Berg, Wald wurde abgeholzt oder Jungwuchs wegen Verbiss und Tritt der Weidetiere zerstört. So hatten dornige, stachelige oder schlecht schmeckende Pflanzen einen Konkurrenzvorteil. Aus diesem Grund wurde z.B. der stachelige Wacholder aspektbildend.

 

Magerrasen - bedrohter Lebensraum

An einigen Stellen der Muschelkalkhänge lässt sich bereits erkennen, dass sich bei fehlender Nutzung Gebüsche wie z.B. die Schlehe ausbreiten und die Magerrasenvegetation zurückdrängen.

Die Erhaltung der offenen Flächen ist durch die Förderung der Schafhute im Rahmen von Pflege- und Bewirtschaftungsverträgen möglich. Der Dörnberg mit seinen großflächigen Magerrasen muss zusätzlich auch mit Maschinen entbuscht werden, um der Ausbreitung von Gehölzen (Sukzession) Einhalt zu gebieten.

 

Die Pflanzenwelt des Dörnbergs

Auf dem Dörnberg finden wir eine große Anzahl von seltenen Arten, die uns von Frühjahr bis zum Herbst mit stets neuen Farbkombinationen überraschen. Im Frühjahr beginnt die Massenblüte der Wiesen-Schlüsselblume und des Frühlings-Fingerkrauts. Im Bereich des Alpenpfads an den mehr nord- und nordwestwärts gerichteten Hängen leuchten die weißen Blütensterne des Großen Windröschens. Hinzu kommt die Blüte des Manns-Knabenkrauts, das in einem guten Blühjahr ganze Flächen purpurrot färben kann. Noch weitere Raritäten findet man bei einer aufmerksamen Wanderung: Fliegen-Ragwurz, Bienen-Ragwurz, Mücken-Händelwurz und Rotbraune Sumpfwurz. An einigen Stellen findet man den Lothringischen Lein. Seine himmelblauen Blüten blühen nur wenige Stunden bevor sie abfallen. Der Berg-Gamander wächst an einigen südwestwärts gerichteten Hangrippen des Dörnbergs in lückiger Vegetation. Er gehört zu den großen Seltenheiten der nordhessischen Flora. Seine ledrigen Bätter, die unterseits weißfilzig behaart sind, seine Spaltöffnungen, die bei Hitze verschlossen werden können und seine nach unten eigerollten Blattränder, die die Blattoberfläche verkleinern, machen ihn zu einem Meister der Anpassung an diesen Extremstandort.

Tauben-Skabtose, Wiesen- und Skabiosen-Flockenblumen bilden im Spätsommer und Herbst einen lilafarbenen Blühaspekt. Den krönenden Abschluss der Blüte im laufenden Jahre bilden die Enziane. Fransen-Enzian, Deutscher-Enzian und in wenigen Exemplaren auch der Feld-Enzian sind für die blauen Blütentupfer im Herbst verantwortlich.

 

Die Tierwelt des Dörnbergs

Die Trockenrasen sind ein Lebensraum für eine große Anzahl von Insektenarten, die für ihre Entwicklung auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind. Farbenprächtige Falter wie z.B. die zartblauen Bläulinge, die schön gemusterten Schachbrettfalter, die leuchtend rot gefleckten Widderchen und die Aurorafalter mit ihren orangefarbenen Flügelecken können wir im Naturschutzgebiet beobachten.

Viele Vogelarten wie Neuntöter, Bluthänfling, Goldammer und Heckenbraunelle finden in den verbuschten Hängen des Dörnbergs gute Brutbedingungen. Charaktervögel der baumlosen Hochfläche sind Feldlerche und Wiesenpieper.

 

Die Ringwallanlagen

Die nach allen Seiten steil abfallenden Hänge geben dem etwa dreieckförmigen, fast ebenen Plateau des Dörnbergs einen natürlichen Schutz. Dieser wurde in früheren Zeiten durch aufwendige, heute zu Wällen, Gräben und Geländestufen verfallene Befestigungsanlagen verstärkt. Da der Wald, der heute die Westhälfte des Plateaus bedeckt, erst in dem Jahrzehnt nach 1900 angepflanzt wurde, lagen diese Wallanlagen immer frei und fielen sofort ins Auge. Aus diesem Grund gehören die Ringwälle des "Hohen Dörnbergs" zu den am frühesten bekannten, literarisch überlieferten und in historische Überlegungen einbezogenen in ganz Hessen. Sie werden 1605 erstmals in einer Chronik erwähnt, die auch zwei Deutungen zu ihrer Entstehung enthält. Eine der Theorien erklärt dabei den Namen Zierenberg als "Tyrenberg etwa von dem sehr hohen berge Dörnberg / dessen rechter nahm Thyrenberg von den Tyringetis oder Thyringern / welche vor lang abgelauffener zeit / als nemblich ihr königreich noch gestanden / auff diesem berge ein läger und castel gehabt / dessen auffgeworfene schantzen auch noch heut zu tage eigentlich können gezeiget werden". Die andere verbindet die Wälle mit den Kämpfen Kaiser Heinrichs IV. gegen den aufständischen Grafen Otto von Northeim, Herzog von Bayern, im Jahre 1071. Dieser "nahm den berg Hasungen in zu seinem vorthel unnd befestiget den auffs sterckest. Der Keyser aber lag auffm Törnberge / wie die schantzen noch außweisen". Die Wallanlagen galten bis in unser Jahrhundert hinein als Heerlager Kaiser Heinrichs IV., auch nachdem 1922 darauf hingewiesen wurde, dass sie wohl doch in ältere Zeiten gehören.

 

Bau und Verlauf der Ringwälle

Um das Plateau läuft ein Ringwall, der auf der Kante oder etwas unterhalb der Kante entlang führt. Dieser weist von innen meist eine Höhe von weniger als 1 m auf und besitzt eine im Durchschnitt 3 m hohe Außenböschung. Die nun zum Wall verfallene Mauer bestand aus Holz, Stein und Erde und besaß senkrechte Fronten. Das notwendige Baumaterial war einem besonders an der Westspitze und Ostseite sehr ausgeprägten Materialgraben hinter der Mauer entnommen worden. Ein im Nordabschnitt sogar verdoppelter Graben ist dem Wall auf der Nord- und Nordwestseite vorgelagert. Heute ist dieser Graben verebnet und nur noch als schmale Terrasse mit kräftiger Böschung zu erkennen.

Im Osten lag das Haupttor, durch das auch heute noch der Weg auf das Plateau führt. Auf der Nordwestseite befand sich offenbar ein weiteres Tor. An dieser Stelle ist der Wall verebnet und bildet eine Böschung, in welcher der vorgelagerte Graben aussetzt. Die ursprüngliche Form des Tores ist dabei nicht zu erkennen.

Eine zweite Befestigungslinie verläuft am Hang über den Nordostgrat des Berges und begleitet die Hälfte der Ostseite und der Nordwestseite bis zur Westspitze. Sie bestand aus einer Mauer, zu deren Bau man den Hang hinter ihr abgegraben hatte. Ergänzt wurde die Befestigung durch einen vorliegenden Graben, dessen ausgeprägter Außenwall durch die Hanglage noch verstärkt wurde. Betreten wurde der Bereich durch ein Tor auf der Nordwestseite.

In der Nähe des Bergfußes im Norden befindet sich eine dritte Befestigungslinie. Sie beginnt auf dem Nordostgrat am Steilabfall des Berges nach Osten hin und verläuft mit 160 m Länge nach Westen. Die dortige Steilflanke des Berges machte eine weitere Befestigung unnötig. Diese Anlage gleicht von der Bauart her der zweiten Befestigungslinie, da sie ebenfalls eine Mauer mit Graben aufweist.

Auf dem Plateau selbst fällt eine schwache Wallanlage auf, die am Haupttor beginnt und dann nach Westen verläuft. Dabei trennt sie die Südoststrecke auf eine Länge von 150 m und einer Breite von

70 - 100 m ab. Diese Anlage ist bedeutend jünger als die restlichen drei und stellt wohl eher eine neuzeitliche Grenzmarkierung dar. Der über 50 m lange Graben auf der Ostseite des Plateaus ist ebenfalls kein Teil der Befestigung. Seine Bedeutung ist dagegen noch unklar.

 

Entstehung und Nutzung

Die früher als Wohngruben betrachteten rundlichen Eingrabungen in der Mitte und Westhälfte sind neuzeitliche Entstehungen, wobei die beiden nördlichen auf Bergbauversuche zurückgehen dürften. Bei der südwestlichen handelte es sich dagegen offenbar um einen Mellerplatz. Ungelöst bleibt die Frage der Wasserversorgung, da sich die nächsten Quellen erst 200 m entfernt am Bergfuß befinden. Es wird deshalb angenommen, dass für Notzeiten Zisternen vorhanden waren. Über die Entstehungszeit der Anlagen geben die vom Berg bekannten Funde nur bedingt Auskunft. Keramik und Steinfunde der sog. Michelsberger Kultur (etwa 4200 - 3500 v. Chr.) weisen auf eine jungsteinzeitliche Höhensiedlung hin, für deren Befestigung es aber keinerlei Anhaltspunkte gibt. Funde aus der jüngeren Eisenzeit lassen sich dagegen mit der ersten Anlage der Befestigungen verbinden und lassen auf eine keltische Burg schließen. Diese ist zwischen dem fünften und ersten Jahrhundert v. Chr. entstanden und stellt damit die älteste Befestigung des Hohen Dörnbergs dar. Aus dem Frühmittelalter liegen dagegen nur wenige Funde vor, dann wieder reichliche mittelalterliche Keramik vor allem des elften, teilweise auch des zwölften Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurde der Berg als Stützpunkt fränkischer Macht besetzt und die Befestigungen ausgebaut. Aus dieser Zeit stammen die teils doppelten Gräben und die beiden Vorbefestigungen. Diese stellten zusätzliche Annäherungshindernisse dar, da der Geländegewinn am Steilhang kaum zur Siedlung genutzt werden konnte. Ein Zugang zu der Befestigung war durch Tore im Osten und Nordwesten möglich.

Das vermutete Heerlager Kaiser Heinrichs IV. im Jahre 1071 hat dagegen keine Spuren im Gelände hinterlassen, da sich nichts findet, was dieses Ereignis genau bestätigt. Immerhin könnten die Funde des elften Jahrhunderts darauf hinweisen, dass die Überlieferung zutreffend ist und der Kaiser wirklich den Berg besetzt hielt.

 


 

Die Helfensteine

Die Geologie des Dörnbergs

Der Dörnberg oder Hohe Dörnberg erhebt sich mit 578,7 m NN beherrschend und weithin sichtbar über die Landschaft nördlich und nordwestlich von Kassel. Damit zählt er zu einer der höchsten Erhebungen des Wolfhager Landes am Westrand der Hessischen Senken. Um 250 - 300 m und mehr überragt sein Plateau die umliegenden Täler. Den Hauptbestandteil des Dörnbergmassivs bilden vor allem Muschelkalke. Diese sind teilweise noch überdeckt von tertiären Tonen, Sanden und Quarziten.

Das Dörnbergmassiv ist aber auch ein Tuffsteinberg, in dessen Gesteinmassen eruptives Magma eingedrungen, aber nur zum geringen Teil an die Oberfläche getreten ist. Auf dem Muschelkalkrücken (Wellenkalk) mit seinen hellgrauen Gesteinstrümmern am nordwestlichen und nördlichen Rand des Dörnbergs haben sich viele für den Kalkmagerrasen typische Pflanzenarten wie z.B. Orchideen und Enziane angesiedelt. Dort findet man auch die bekannten Basaltkuppen, zu denen u.a. die Helfensteine gehören.

Diese bilden zusammen mit anderen bizarren Felsbildungen wie z.B. der Wichtelkirche, auch Blumenstein genannt, den nordöstlichen Eckpfeiler des Habichtswälder Basaltberglandes. Diese abwechslungsreiche Mittelgebirgslandschaft verdankt ihre Entstehung vor allem basaltischen Eruptionen der Tertiärzeit, die den tief liegenden Buntsandstein durchbrachen, sowie der Erosion in der nachtertiären Zeit.

 

Der Graben mit Außenwall

Bei dem größten südöstlich gelegenen Felsen der Helfensteine fällt auf, dass er neben natürlichen Steinhalden auch von einem künstlichen kleinen Graben umgeben ist. Dieser verläuft im Halbrund auf der flacheren Nordwest- und Westseite der Felskuppe. Der Graben ist ca. 100 m lang und hat eine Höchsttiefe von 1 m. Sein Material wurde bei der Aushebung nach außen geworfen, wo es gegen Nordwesten eine bis zu 7 m breite und 2 m hohe Böschung bildet. Die gesamte Anlage wirkt dabei mehr wie eine Abgrenzung als eine Befestigung. Es wird angenommen, dass der Graben ebenso aus dem 12./13. Jahrhundert stammt wie einige mittelalterliche Fundstücke aus der Umgebung. Zusammen mit den benachbarten Flurnamen "Immelburg" sorgen sich für die Annahme, dass auf dem Felsen einst eine kleine hochmittelalterliche Burg lag, wie sie auch schon als Ruine auf der Schlenstein`scher Karte von 1705/15 eingetragen ist.

 

Die Helfensteine - ein Naturheiligtum

Die Bedeutung der Helfensteine für die frühzeitigen Bewohner der Zierenberger Gegend ist heute unklar. Funde aus vorgeschichtlicher Zeit vom größten der Felsen lassen sich auf die Späthallstatt-/Frühlatènezeit (ca. 750 - 400 v. Chr.) datieren. Dabei handelt es sich um Scherben teilweise sehr fein gearbeiteter Schalen wie auch um den Fuß eines seltenen kelchförmigen Gefäßes.

In dem Buch "700 Jahre Zierenberg" schreibt Irene Kappel über eine mögliche Nutzung der Felsformation: "Da der Platz sich überhaupt nicht für eine Siedlung eignet, sieht man ihn eher als eine Art Naturheiligtum an. Betreten wurde er auch schon zur Jungsteinzeit, worauf einige Feuersteinartefakte deuten, während sich frühere Hinweise auf jungsteinzeitliche Keramik im vorhandenen Fundmaterial nicht zu bestätigen scheinen."

 


 

Die Wichtelkirche

Blumenstein und die Wichtelkirche

Die Feste von Blumenstein ist die kleinste der vielen Burgen im Zierenberger Raum. Heute wird sie einer Sage nach "Wichtelkirche" genannt. Funde an der Wichtelkirche verraten, dass sich ein Haus mit Ziegelbedeckung an die natürlichen Felsen der Wichtelkirche angelehnt hat, das als Schutz für die Güter der Burgherren diente. Mit der Zerstörung der Burg zu einem uns unbekannten Zeitpunkt verlor das Geschlecht von Blumenstein an Einfluss.

Um den Blumenstein rankt sich darüber hinaus eine Sage, die auch den Namen "Wichtelkirche" erklärt. Diese Volksüberlieferung ist Zeugnis vom Kampf der heidnischen und christlichen Mächte in unserer Gegend. Der Ausgang der Sage lässt auf das Ende der germanischen Religion schließen:

Der listige Wichtelkönig verliebte sich in ein junges Mädchen aus Zierenberg, jedoch trennte sie ihr unterschiedlicher Glaube. Der Wichtel lockte sie mit einer kleinen Kirche aus funkelndem Bergkristall, die er eigens für sie an der Quelle des Heilerbaches erbaute. Doch als das Mädchen vor dem Traualtar das Eheversprechen ablehnte, verwandelte sich die Kirche zu kaltem, grauen Basaltgestein.

Seit dieser Zeit nennt man den Blumenstein auch die "Wichtelkirche". Die ausführliche und gereimte Form dieser alten Sage soll an dieser Stelle zu Ehren kommen.

 


 

Die Schartenburg

Ca. 2 km nördlich der Stadt Zierenberg liegen auf der Randhöhe des Warmetals die Reste einer der ältesten Burgen Hessens, die Schartenburg. Wann sie erbaut wurde ist ungewiss. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1124. Außer dem ca. 24 m hohen Bergfried sind heute leider nur noch Mauerreste, Gräben und Wälle erhalten. Die Burg wurde standorttypisch aus Kalkstein erbaut. Die Schartenburg war eine Doppelburg auf mehreren Ebenen. Nordwestlich der Hauptburg lag, durch einen Graben getrennt, eine kleinere Burg, das sogenannte "Groppeschloss". Die Burg hatte eine Länge von ungefähr 150 m und sie war ca. 50 - 80 m breit. Wie für Burgen in Spornlagen typisch, hatte auch die Schartenburg besonders tiefe Abschnittsgraben, die heute noch sichtbar sind.

 


 

Zierenberg ist reich an Naturschönheiten.
Neben dem herausragenden Naturschutzgebiet am Dörnberg, das für seinen Reichtum an seltenen Pflanzen weit über Hessen hinaus berühmt ist und alljährlich ein Ziel zahlreicher begeisterter Besucher aus Nah und Fern darstellt,
gibt es viele weitere, landschaftlich reizvolle und naturkundlich interessante Ziele, die einen Besuch lohnenswert machen.